Zonentrip, saftlos

The Big Red One

Manche Kulte offenbaren sich erst spät aus dem Dunkel der analogen Vorzeit. Die Olympus Trip 35 ist so eine Maschine für mich bis dato Ahnungslosen. Mit großer Anhängerschaft und berühmten Nutzern, von der ich erst vor kurzem erfahren habe.

An mein Exemplar bin ich eher zufällig gekommen, nachdem ich zuvor die 35RC entdeckt hatte. Ich will auch ausnahmsweise gar nicht so viele Worte verlieren und lieber Bilder erzählen lassen, nur so viel: Die Trip 35 ist kein Rangefinder trotz der sehr ähnlichen Erscheinung, sondern eine beinahe klassische Point-and-Shoot mit drei gravierenden Besonderheiten.

  • Keine Batterie! Der Belichtungsmesser wird über eine Seleniumzelle versorgt. Aus heutiger Sicht unglaublich. Eine Kamera ohne Akku, was für ein technischer Fortschritt! Ich kann es gar nicht oft genug betonen. Keine Batterie. Die Implikationen dessen sind beinahe grenzenlos, eine Kamera für die Wildnis, ein mechanisches Wunderwerk.
  • Die Kamera erlaubt das manuelle Einstellen der Blende. Man muss es aber nicht. Der Automatikmodus funktioniert wunderbar. Ohne Batterie!
  • Die Kamera ist perfekt für schnelle Schüsse auf der Straße. Denn man fokussiert nicht manuell oder über einen Rangefinder, sondern mit vier verschiedenen Zonefokus-Modi von unendlich bis Portrait. Damit steht sie in unmittelbarer Konkurrenz zur Ricoh GR. Also doch deutlich vielseitiger als eine echte Point-and-Shoot.

Insgesamt kamen mir die Ergebnisse schärfer vor als mit meiner Olympus RC, obwohl die Linse sehr ähnlich zu sein scheint. Vielleicht ist einfach der Rangefinder bei der RC dejustiert.

So, und jetzt die Bilder. Ach ja, ich müsste mal den Scanner reinigen. Aber irgendwie passen die Fussel zur analog-knisternd-lomographischen Anmutung, die ich persönlich ganz gern mag.

Habe ich schon gesagt, dass die Kamera keine Batterie braucht?

Brugge

Analog Trip

Analog Trip

Analog Trip

Analog Trip

Analog Trip

Analog Trip

Analog Trip

Made in Belgium

Der Titel ist eine Hommage an Harry Gruyaert, für mich immer noch ein absoluter Geheimtipp, aber vielleicht auch nur für mich, jedenfalls sind die Bilder auch alle in Belgien entstanden, ein wunderbares Land, in dem es nicht nur das beste Bier der Welt und viele andere schöne Dinge gibt, sondern auch unglaublich faszinierende Fotomotive, besonders in Städten wie Lüttich. Für mich liegt das an dem Anteil alter Architektur und an den Umgang damit — nicht immer liebevoll, ziemlich selbstverständlich, und im Endergebnis fast viktorianisch, Gothic Thriller, jedenfalls nicht so langweilig und profan wie bei uns.

Die Bilder sind 2016 in Flandern und Lüttich entstanden, mit meiner Olympus Pen-F sowie einer Fuji X100T und einer Panasonic GM5, die sich mittlerweile nicht mehr in meinem Arsenal befinden, aber sehr gute Kameras sind und demnächst hier ebenfalls ihren Platz finden werden.